Frieg und Krieden
Russlands Krieg gegen die Ukraine: die 211. und 212. Kriegswoche
Nikolay Mitrokhin, 22.4.2026
Russland kann den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnen. Nach der geplanten Spezialoperation von Norden und der Kriegswalze von Osten ist nun auch der Abnutzungskrieg aus der Luft gescheitert. Die Ukraine fügt Russland mit Drohnen immer größere Schäden zu. Noch dominiert der Krieg und von Frieden wird über lange Zeit keine Rede sein können. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass in Moskau die Einsicht reift, dass ein Waffenstillstand im eigenen Interesse ist.
Die internationale Aufmerksamkeit ist ganz auf den Krieg am Persischen Golf konzentriert, Russlands Krieg gegen die Ukraine ist in den Hintergrund getreten. Hinter den Kulissen finden jedoch weiter Gespräche statt. Davon zeugen gelegentliche Äußerungen verschiedener Politiker. US-Vizepräsident JD Vance etwa erklärte Mitte April, einer Regulierung des Konflikts stünde nur noch „das Gezerre um einige Quadratkilometer“ im Weg. Der neue Leiter der ukrainischen Präsidialadministration Kirill Budanov sprach ebenfalls davon, er erwarte ein Ende des Kriegs in nächster Zeit. Zugleich erklärte Budanov wie aus dem Nichts heraus, der Feldzug des Staates gegen die Ukrainische Orthodoxe Kirche, werde beendet – eine der zentralen Forderungen des Kremls. Er sprach sogar davon, die Ausnahme von der Wehrpflicht könne nach dem Vorbild einer für alle anderen Religionsgemeinschaften in der Ukraine geltenden Regelung auf die Geistlichen der Ukrainische Orthodoxe Kirche ausgeweitet werden.
Viele Jahre bezeichnete die Kiewer Führung die Ukrainische Orthodoxe Kirche als verlängerter Arm des Moskauer Patriarchats, nun erklärte Budanov kurz vor dem orthodoxen Osterfest, es handele sich um eine ukrainische Kirche, das Namensanhängsel „Moskauer Patriarchat“ sei eine bewusste Irreführung.
Auch ein erneuter Gefangenenaustausch, der ohne großes Aufsehen vereinbart und abgewickelt wurde, weist auf Gespräche hin, ebenso die Verkündung eines Waffenstillstands über das orthodoxe Osterfest.
Beides muss von irgendjemandem vorgeschlagen, verabredet und koordiniert worden sein. Und möglicherweise ist auch die Verlängerung der Aussetzung der US-Ölsanktionen gegen Russland nicht zuletzt auch in diesem Zusammenhang zu sehen. Schließlich würde sich der türkische Präsident Erdoğan vielleicht nicht mit dem Vorschlag eines Treffens zwischen Putin und Zelens’kyj in Istanbul – in Anwesenheit des US-Präsidenten und seiner selbst – vorwagen, wenn dieser vollkommen aus der Luft gegriffen wäre.
All dies spricht dafür, dass alle Seiten anerkennen, dass es an der Front nicht mehr zu größeren Veränderungen kommen kann. In Russland scheint sich auch die Erkenntnis breit zu machen, dass der Luftkrieg nicht zu gewinnen ist. Die ukrainischen Angriffe fügen der Wirtschaft mittlerweile solche Schäden zu, dass die russländischen Kriegsblogger sich bereits Sorgen um die Versorgung der Front machen. Auch mehren sich in Moskau Stimmen, die mutmaßen, die von wirtschaftlichen Einschränkungen und Verboten ermüdete Gesellschaft wende sich zunehmend vom Kreml ab.
Vor diesem Hintergrund absolvierte der ukrainische Präsident eine Europareise, deren Höhepunkt das Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz am 14. April im Zuge deutsch-ukrainischer Regierungskonsultationen war. Merz hat, so scheint es, sein (außen)politisches Schicksal nun vollends mit dem ukrainischen Präsidenten verbunden. Zelens’kyj verkörpert die Möglichkeit eines gemeinsamen Kampfes gegen die Europa dräuenden Gefahren. Darüber hinaus ist der Bundeskanzler natürlich ganz konkret an einer gemeinsamen Entwicklung neuer Waffensysteme und deren rascher Erprobung im Kampf interessiert. Dies ist der Grund, warum Deutschland nicht nur auf die rasche Auszahlung des EU-Kredits von 90 Mrd. Euro an die Ukraine drängt, sondern auch vier Mrd. Euro aus eigenen Mitteln für die Produktion von Patriot-Raketen und Drohnen zur Verfügung stellt. Auch bei Zelens‘kyjs aus rechtsstaatlicher Perspektive problematischstem Wunsch – der Rückkehr der in Deutschland lebenden ukrainischen Männer im wehrpflichtigen Alter –, verspricht Merz zu helfen. Zum Zielkontingent gehören auch jene jungen Männer, deren Ausreise Zelens’kyj im Sommer 2025 mit einer Gesetzesänderung selbst ermöglicht hat. Diese hatte es Männern bis 22 Jahren erlaubt, das Land zu verlassen, rund 100 000 haben dies genutzt. Mitte 2027 werden die ersten von ihnen das 24. Lebensjahr vollenden und damit wehrpflichtig.
Direkt nach Zelens’kyjs Besuch in Berlin gab das Vereinigte Königreich bekannt, man werde der Ukraine 120 000 unbemannte Systeme verschiedenster Art übergeben – von Langstreckendrohnen über Aufklärungsdrohnen bis zu Seedrohnen. Die Lieferung habe bereits begonnen.
Von Berlin aus reiste Zelens’kyj in die Niederlande, wo ihm und dem ukrainischen Volk „als Zeichen der Anerkennung für den mutigen Kampf für Freiheit und Demokratie“ in Anwesenheit von Ministerpräsident Rob Jetten sowie des Königs der Niederlande der International Four Freedom Award der Roosevelt-Stiftung verliehen wurde.
Dies zeigt, dass Zelens’kyjs Unterstützer ihm die Mindič-Affäre vergeben haben, die ihnen im Herbst und Winter 2025 schlaflose Nächte bereitet hatte, als immer mehr Details über einen in höchste Staatsämter reichenden Korruptionssumpf bekannt wurden, in dem öffentliche – faktisch: europäische – Gelder versackten. An dem, was im Innern der Ukraine tatsächlich in Sachen Freiheit und Demokratie vorgeht, haben die Regierungen der EU-Staaten eindeutig kein Interesse mehr.
All das hat zweifelsohne damit zu tun, dass die USA unter Donald Trump ihre Rolle als oberster Verbündeter der EU-Staaten hingeworfen haben, aber auch damit, dass die Ukraine die stärkste und erfahrenste Armee Europas hat. Einen solchen Partner benötigen die europäischen Staaten, denn die Anpassung ihrer Armeen und ihrer Rüstungsindustrie an die Bedingungen des modernen Drohnenkriegs hat erst begonnen – während die Ukraine gerade ein neues Raketenabwehrsystem (Lina) vorgestellt hat, das angeblich mit den Mitteln der elektronischen Kampfführung die modernsten russländischen Hyperschallraketen und Gleitbomben von ihrer Flugbahn abbringen kann.
Wenig begeistert von diesem Zusammenrücken der westeuropäischen Staaten mit einer erstarkten Ukraine sind die meisten ostmitteleuropäischen Staaten. In Ungarn wurde zwar mit Viktor Orbán ein persönlicher Feind Zelens’kyjs abgewählt. Doch sein Nachfolger Péter Magyar, der grundsätzlich eine Verbesserung der Beziehungen zur Europäischen Union anstrebt, hat am Tag nach seinem Wahlsieg angekündigt, dass er in Bezug auf die Ukraine den Kurs seines Vorgängers nicht grundsätzlich ändern werde. Auch er bestand darauf, dass die Družba-Pipeline wieder in Betrieb geht. Hatte die Ukraine wochenlang verschiedene Gründe angeführt, warum eine Reparatur der Pipeline nicht möglich sei oder lange dauern werde, so konnte Zelens’kyj neun Tage nach der Abwahl Orbáns plötzlich den Abschluss der Arbeiten bekanntgeben. Dieser wird seinem Nachfolger und der Ukraine jedoch kaum den Gefallen tun und die Blockade des EU-Kredits noch vor der Amtsübergabe an Magyar aufgeben.
Budapest hat laut Magyar weitere Forderungen an die Ukraine die Ungarn in Transkarpatien betreffend, die systematisch ukrainisiert würden. Diese Frage stand auch am Anfang des Konflikts zwischen Orbán und Zelens’kyj.
Getrübt wurde die Kiewer Freude über den Ausgang der Wahlen in Ungarn auch durch das Ergebnis der Wahlen zur bulgarischen Nationalversammlung am 19. April. Sieger ist der ehemalige Präsident Rumen Radev. Mit seinem erst kurz vor den Wahlen gegründeten Bündnis „Progressives Bulgarien“ erzielte er die absolute Mehrheit der Mandate. Radev hat angekündigt, wieder engere Wirtschaftsbeziehungen zu Russland aufzunehmen, unter anderem durch den Kauf von Erdöl. Im Kern geht es um die Raffinerie Lukoil Neftochim Burgas. Das Werk des russländischen Konzerns nahe der bulgarischen Schwarzmeerstadt ist die größte erdölverarbeitende Anlage Südosteuropas und der größte Arbeitgeber Bulgariens. Die abgewählte Regierung wollte Lukojl enteignen und hatte bereits die Belieferung mit Öl aus Russland verboten. In den Jahren 2022 und 2023 hatte die Raffinerie eine wichtige Rolle für die via Rumänien abgewickelte Treibstoffversorgung der ukrainischen Armee gespielt, hergestellt wurde dieser mit Öl aus Russland. Unter Radev ist ein Kurswechsel zu erwarten und Bulgarien wird wohl wie Ungarn weiter auf Öl aus Russland setzen.
Schiffe versenken
Erfolgreicher als der Versuch, europäische Staaten, die noch Öl und Gas aus Russland beziehen, mit politischen Argumenten zu einer Abkehr von diesen zu bringen, verlaufen die militärischen Aktionen, die diese Handelsbeziehungen unterbinden sollen. Die Ukraine zerstört mit Luftangriffen weiter Hafeninfrastruktur an Russlands Schwarzmeer-Küste und treibt die Versicherungskosten für Tanker in die Höhe, die dort Öl laden. Hauptziel der Attacken Mitte April war der im Bezirk Krasnodar zwischen Novorossijsk und Soči gelegene Ölhafen Tuapse. Bei massiven nächtlichen Angriffen gingen sechs der rund 20 Tanks der Anlage in Flammen auf.
Der russländische Militärkanal „Rybar‘“ gab zu, dass man diesen Attacken nichts entgegenzusetzen habe – außer eigenen Angriffen auf ukrainische Schwarzmeer- und Donauhäfen sowie auf Handelsschiffe. Sollte sich die Ukraine dazu entschließen, im Schwarzen Meer Tanker anzugreifen oder festzusetzen, die Öl aus Russland geladen haben, könnte Moskau dies nicht verhindern. Kriegsschiffe können ihnen kein Geleit geben, denn die verbleibenden Schiffe der dezimierten Schwarzmeer-Flotte müssen sich in den Häfen von Sevastopol‘ und Novorossijsk verstecken, um nicht selbst Ziel von Angriffen mit See- oder Flugdrohnen zu werden. Doch selbst die Häfen bieten keinen Schutz. Alleine in den ersten 20 Apriltagen griff die Ukraine mit schweren Drohnen mindestens drei große Schiffe an: in der Nacht auf den 6. April die im Hafen von Novorossijsk liegende Fregatte „Aleksandr Makarov“ – das Schwesterschiff „Admiral Ėssen“, ein Raketenträger, war am selben Ort Anfang März angegriffen worden. Ebenfalls beschädigt wurden in der Nacht auf den 19. April im Hafen von Sevastopol‘ die Landungsfahrzeuge „Jamal“ und „Nikolaj Fil’čenkov“. Dort wurden in der gleichen Nacht das Patrouillenboot Gračonok und die große Radarstation Podlët angegriffen.
Es ist nicht zu erkennen, dass Russland technologisch nachziehen und unbemannte Systeme zum Schutz der Schiffe entwickeln kann. Mehr noch: Die Mannschaften an Bord der seit zwei Jahren im Hafen liegenden Schiffe werden immer mehr ausgedünnt, da Marinesoldaten unter dem Vorwand von Disziplinarverstößen in das Heer oder in mobile Drohnenabwehrgruppen versetzt werden, darunter hochspezialisierte Fachleute. Den verbleibenden Mannschaften wird der Urlaub verweigert, da die Marineführung fürchtet, die demotivierten Matrosen, deren Sold oft nur mit großer Verspätung gezahlt wird, würden nicht mehr an Bord zurückkehren.
Die Lage an der Front
Im Gebiet Sumy sind russländische Einheiten an einem weiteren Grenzabschnitt rund zwei Kilometer weit auf ukrainisches Territorium vorgedrungen. Nachdem die ukrainischen Medien lange Zeit die Entwicklung im Nordosten des Landes ignoriert haben, wird nun mit großer Sorge über die Lage östlich der Gebietshauptstadt Sumy berichtet. Die größte Sorge ist, dass die Besatzungstruppen in das Waldgebiet gelangen könnten, das sich zwischen Sumy und der Grenze erstreckt.
Die Okkupanten kommen allerdings nur minimal voran, wovon die Berichte in den russländischen Militärkanälen zeugen. Am 7. April hieß es etwa bei „Dva Majora“: Im Raum Sumy führt die Armeegruppe „Nord“ Offensivoperationen im Landkreis Šostka (Vormarsch: bis zu 150 Meter) und im Landkreis Sumy (Vormarsch: 200 Meter) durch. Der Gegner führt Reserven von anderen Frontabschnitten heran“.
Im Gebiet Charkiv haben die Besatzer nach eigenen Angaben am 15. April die Siedlung Vovčans’ki Chutory am Südostrand der vor rund einem Jahr eingenommenen Kreisstadt Vovčans’k erobert. Allerdings zog sich die ukrainische Armee auch aus zwei benachbarten Siedlungen zurück, was die örtlichen Behörden in helle Aufregung versetzte. Üblicherweise versuchen die Okkupationstruppen nach Süden in Richtung Charkiv vorzustoßen. Ein Vorrücken nach Südosten mit Stoßrichtung auf Velykyj Burluk und Kupjans’k könnte der Beginn einer Operation sein, mit der der Nordosten des Gebiets Charkiv abgeschnitten werden soll. Am 15. August ordnete der Militärgouverneur des Gebiets Charkiv Oleh Sinehubov die Evakuierung aller Bewohner der elf zur Verbandsgemeinde Ševčenkove gehörenden Siedlungen sowie der Familien mit Kindern (erste Evakuierungsstufe) aus den nördlich von Kupjans’k gelegenen Siedlungen der Verbandsgemeinde Velykyj Burluk an. Südöstlich von Kupjans’k versuchen die russländischen Truppen seit Anfang April, die ukrainische Armee vom linken Ufer des Oskil zu vertreiben.
Vor diesem Hintergund begann die ukrainische Armee am 15. April eine Gegenoffensive in den Wäldern der Übergangszone zwischen den Gebieten Charkiv und Donec’k. Dort greift sie die südliche Zange eines Einkesselungsversuchs der gegnerischen Truppen an. Diese üben dort Druck auf drei Städte aus: auf Lyman im Gebiet Donec’k; auf das am anderen Ufer des Sivers’kyj Donec gelegene, über einen Vorstoß in Richtung Svjatohirs’k zu erreichende Slovjans’k; sowie auf das nordwestlich gelegene Izjum, das allerdings noch 20 Kilometer entfernt liegt. Würde es den Besatzungstruppen gelingen, den von Norden kommenden Vorstoß mit dieser Angriffszange zu verbinden, verlöre die Ukraine einen Großteil des Gebiets, das sie im September 2022 nach der ersten Besatzung im Frühjahr 2022 zurückerobert hatte.
Den ukrainischen Truppen ist es bereits gelungen, mehrere kleine Sturmtrupps des Gegners vom östlichen Stadtrand von Lyman in die angrenzenden Wälder zu vertreiben. Gleichwohl ist es wenig wahrscheinlich, dass es der Ukraine tatsächlich gelingt, die Zange bei Lyman zu beseitigen. Mindestens zwei ähnliche Versuche sind im Jahr 2025 gescheitert. Ziel der Attacken mit kleinen Gruppen könnte es daher sein, Russlands Armeegruppe Nord dazu zu zwingen, Reserven aus dem Raum Vovčans’k nach Süden zu verlegen.
An allen anderen Frontabschnitten gibt es keine nennenswerten Veränderungen. Einzig im Raum Stepnohirs’k hat die ukrainische Armee Mitte April den Gegner aus der einst in unmittelbarer Nähe des Kachovka-Stausees gelegenen Siedlung vertrieben und weiter östlich dessen Stellungen bei Pavlivka zerstört, von denen aus ein Angriff auf Orichiv gedroht hatte. Russländische Militärkanäle gehen davon aus, dass die Ukraine in den nächsten Wochen alle Eroberungen der Moskauer Truppen aus dem Jahr 2025 zurückgewinnen werde, bevor die Front 5-7 Kilometer weiter südlich wieder zum Stillstand komme.
Drohnenwettlauf
Russland setzt seit Mitte April Langstreckendrohnen des Typs Geran‘-5 ein. Diese haben die gleiche Größe wie das bekannte Vorgängermodell Geran‘-2. Anstelle des einfachen Moped-Motors, der das Vorgängermodell so billig machte, sind sie jedoch mit einem teureren Raketenantrieb ausgestattet. Da sie mit höherer Geschwindigkeit fliegen, sind sie für die Abfangdrohnen, die die Ukraine seit Ende 2025 einsetzt, ebenso wenig erreichbar wie für die mit Maschinengewehren ausgestatteten mobilen Flugabwehrtrupps. Der Einsatz dieser neuen Drohne lässt den Rückgang der von Russland eingesetzten Drohnen im März in einem anderen Licht erscheinen. Wahrscheinlich hatte man erkannt, dass die Flugobjekte des alten Typs immer öfter abgeschossen wurden – nach ukrainischen Angaben lag die Quote bei 95 Prozent – und war dabei, auf die neue Variante umzustellen, die bislang nur mit teuren Abfangraketen und elektronischen Mitteln bekämpft werden kann.
Dies zeigte sich am 20. April, als das Haus des bekannten ukrainischen Drohnenexperten Serhij „Flash“ Beskrestnyj Ziel einer solchen Geran‘-5-Drohne wurde. Dieser hatte in den vergangenen fünf Jahren die von Russland eingeführten Neuerungen im Bereich unbemannte Systeme und elektronische Kampfführung beobachtet und mit seinen Veröffentlichungen der Ukraine geholfen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Beskrestnyj wurde bei dem Angriff – angeblich schlugen Drohnen an mehreren Orten ein, an denen er sich regelmäßig aufhielt – wie durch ein Wunder lediglich leicht verletzt.
Diese Attacke zeigt erneut, dass es sich mindestens bei einem Teil der russländischen Angriffe auf Wohnhäuser und Wohnungen nicht um wahllose Terrorattacken handelt, sondern um gezielte Anschläge auf Ingenieure der Rüstungsindustrie und hochrangige Offiziere.
Aus dem Russischen von Volker Weichsel, Berlin
Hinweis zu den Quellen: Die Berichte stützen sich auf die Auswertung Dutzender Quellen zu den dargestellten Ereignissen. Einer der Ausgangspunkte sind die Meldungen der ukrainischen sowie der russländischen Nachrichtenagenturen UNIAN und RIA. Beide aggregieren die offiziellen (Generalstab, Verteidigungsministerium, etc.) und halboffiziellen Meldungen (kämpfende Einheiten beider Seiten, ukrainische Stadtverwaltungen, etc.) der beiden Kriegsparteien. Der Vergleich ergibt sowohl übereinstimmende als auch widersprüchliche Meldungen und Darstellungen.
Zur kontrastierenden Prüfung ukrainischer Meldungen wie jene von Deep State (https://t.me/DeepStateUA/19452) – werden auch die wichtigsten russländischen Telegram- und Livejournal-Kanäle herangezogen, in denen die Ereignisse dieses Kriegs dargestellt und kommentiert werden, darunter „Rybar’“ (https://t.me/rybar), Dva Majora (https://t.me/dva_majors), und „Colonel Cassad“ (Boris Rožin, https://colonel cassad. livejournal.com/). Wichtige Quellen sind auch die Berichte, Reportagen und Analysen der Novaja Gazeta Europe. Ebenfalls berücksichtigt werden die täglichen Analysen des Institute for the Study of War (www.understandingwar.org), das auf ähnliche Quellen zurückgreift.


