Titelbild Osteuropa 10-11/2020

Aus Osteuropa 10-11/2020
Teil des Dossiers Tschernobyl

Danaergeschenk
Das belarussische Atomkraftwerk Astravec

Kamil Klysinski


Abstract in English

Abstract

In Astravec steht das erste belarussische Atomkraftwerk. Belarus und Russland einigten sich 2012, dass Russland das Projekt fast vollständig finanziert und die Technologie liefert. Das Kraftwerk wird Strom in Höhe der Hälfte des heutigen Verbrauchs von Belarus produzieren. Für die Regierung ist es ein strategisch wichtiges Projekt, das die energiewirtschaftliche und politische Situation in der Region erheblich beeinflussen wird. Ursprünglich war es in erster Linie für den Export in die EU konzipiert worden. Die Weigerung Litauens und Polens, Strom aus Belarus zu kaufen, hat Belarus jedoch von seinen wichtigsten potenziellen Stromexportmärkten abgeschnitten. Daher sucht die Regierung nach Wegen, um den überschüssigen Atomstrom im eigenen Land zu verwenden. Das zur Finanzierung des Projekts vereinbarte Darlehen Russlands wird die belarussischen Staatsfinanzen über viele Jahre hinweg stark belasten und dem Kreml ein weiteres Druckmittel gegen Belarus an die Hand geben.

(Osteuropa 10-11/2020, S. 331–340)