Titelbild Osteuropa 9-10/2022

Aus Osteuropa 9-10/2022

Traumata hier, Verdrängung dort
Überfall und Besatzung in Polen 1939–1945

Jochen Böhler


Abstract in English

Abstract

Dass der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit Deutschlands Überfall auf Polen begann, ist bekannt. Doch was der Krieg und die Besatzung für die Bevölkerung bedeuteten, fand erst spät und höchst oberflächlich Eingang in die deutsche Erinnerung. Vom ersten Tag an hatte die Militäroperation alle Merkmale eines Vernichtungskriegs. Kriegsgefangene und Zivilisten wurden erschossen. Die gesamte Bevölkerung war der Willkür der Besatzer ausgeliefert. Menschen wurden grundlos ermordet, in Ghettos gesteckt, wo sie an Hunger und Krankheit starben, in Tötungsanlagen deportiert, wo sie dem Massenmord zum Opfer fielen, oder sie wurden zur Zwangsarbeit verschickt. Es gibt keine polnische Familie, die nicht Angehörige durch Krieg und Besatzung verloren hat. Und der materielle und immaterielle Schaden, den Deutschland Polen durch Zerstörung, Raub und die vorsätzliche Vernichtung von Städten, Dörfern, Kulturgütern und Infrastruktur zufügte, war immens.

(Osteuropa 9-10/2022, S. 53–68)