Titelbild Osteuropa 5-6/2023

Aus Osteuropa 5-6/2023

„Diesen Krieg dürfen wir nicht verlieren …“
Die Mörder von Babij Jar vor Gericht

Pavel Polian


Abstract in English

Abstract

Nur wenige der Täter von Babij Jar standen wegen des Massenmords an den Kiewer Juden im Jahr 1941 vor Gericht. Einige Verfahren gab es jedoch. Die bekanntesten sind der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher sowie der dortige Einsatzgruppen-Prozess. Der Internationale Militärgerichtshof hat die Verantwortung für Staatsverbrechen personalisiert und damit maßgeblich zur Weiterentwicklung des Strafvölkerrechts beigetragen. In der Sowjetunion fanden noch während des Kriegs erste Prozesse statt, nach dem Krieg folgten knapp 20 weitere, in denen es nicht zuletzt um die Ermordung der Kiewer Juden ging. Viele der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, die übrigen erhielten Haftstrafen von oft 25 Jahren. Doch so wie die Westalliierten alle Verurteilten, die nicht hingerichtet worden waren, in der ersten Hälfte der 1950er Jahre freiließen, so konnten auch die letzten wegen Kriegsverbrechen verurteilten Deutschen im Jahr 1955 als freie Männer nach Deutschland zurückkehren.

(Osteuropa 5-6/2023, S. 187–204)