Titelbild Osteuropa 10/2025

Aus Osteuropa 10/2025

Übersetzung als Überlebensform
Sprachen und Poesie im sowjetischen Kiew

Mark Belorusez


Abstract in English

Abstract

In den 1970er Jahren war die Hauptstadt der Sowjetukraine weitgehend russifiziert. Die ukrainische Sprache führte ein Schattendasein. Staatsnahe Autoren produzierten leblose Texte. Doch es gab Ausnahmen: Zu ihnen zählte der Dichter Moisej Fišbejn, der für das Ukrainische brannte. Seine Gedichte verweigern sich den üblichen Erwartungen an die Sowjetliteratur. Eine besondere Rolle im Widerstand gegen die Russifizierung spielten die Übersetzer, die im Vergleich zu den Autoren oft größere Freiheit genossen. Die außergewöhnliche Blütezeit, die die literarische Übersetzung ins Ukrainische in den 1970er Jahren erlebte, führte zu einer Renaissance der nationalen Sprache und Kultur. Die Übersetzungen entwickelten das Ukrainische weiter. Die Arbeit der Übersetzer hatte damit auch politische Bedeutung. Viele von ihnen bezahlten für ihr Engagement einen hohen Preis.

(Osteuropa 10/2025, S. 79–90)